Verena Hoffmann-Meda arbeitet an der Schnittstelle von Gegenständlichkeit und Abstraktion als bewusste Methode, Wahrnehmung zu öffnen. Ihre Bilder gehen von einem Phänomen aus, das jeder kennt und doch schwer zu fassen ist: Erinnerungen sind selten „klar“, sondern überlagern sich mit Wünschen, nachträglichen Deutungen und dem, was tatsächlich gelebt wurde. Genau diesen Zustand übersetzt sie in Malerei. Der Farbverlauf bildet dabei einen Bildraum: ein atmosphärisches Feld, in dem sich der Blick beruhigen kann, um dem eigenen inneren Archiv nachzuspüren.
Technisch basiert diese Wirkung auf einer bemerkenswert disziplinierten, schichtorientierten Arbeitsweise. Verena Hoffmann-Meda baut ihre Verläufe in bis zu zehn Acrylschichten auf. Dadurch entsteht jene leuchtende Tiefe, die man nicht durch eine einzige „schöne“ Farbmischung erreicht, sondern nur durch wiederholtes und kontrolliertes Auftragen, Trocknen nund Überarbeiten. Besonders sichtbar wird diese Präzision an den Übergängen zu abgeklebten Partien: Dort erscheint eine klare, elegante Farbkante, wie eine feine Schnittlinie, die die weiche Atmosphäre des Verlaufs mit einer fast grafischen Bestimmtheit konfrontiert. Diese Spannung zwischen dem Sanften und dem Exakten ist Teil der Handschrift.
Für großformatige Leinwände nutzt Hoffmann-Meda zudem ein eigenes Werkzeug: ein selbst gebautes Konstrukt aus mehreren fixierten Pinseln, das eine breitere Pinselfläche erzeugt. Das klingt zunächst pragmatisch, ist aber in Wahrheit konsequent. Denn ein überzeugender Verlauf im großen Maßstab scheitert oft an sichtbaren Ansatzstellen und unruhigen Übergängen. Durch die vergrößerte, gleichmäßig geführte Pinselzone kann sie die Farbe in einer einzigen, ruhigen Bewegung „ziehen“, ohne dass die Fläche ihre Geschlossenheit verliert. Das Resultat ist eine organisch wirkende Qualität der Farbübergänge,wie Licht, das sich über eine Fläche legt.
Erst im Anschluss erlaubt sie dem Bild eine zweite, impulsivere Sprache. Mit schnellen, schwungvollen Bewegungen setzt Verena Hoffmann-Meda Spritzer, Linien und Spuren, mit Pinsel, Spachtel, teils auch mit einer Spritze. Richtung, Dichte und Form entstehen aus Geschwindigkeit und Körperbewegung, also aus einem Vorgang, der sich nicht vollständig planen lässt und gerade deshalb glaubwürdig bleibt. Hier wird die Malerei körperlich, beinahe performativ: Die Spur verrät die Geste, und die Geste wird zum Ereignis auf der Fläche. Auch Kohle tritt in diesen Schritt ein als trockenes, direktes Medium, das den fließenden Charakter der Verläufe bewusst bricht. Farblich baut Verena Hoffmann-Meda dabei Kontraste auf, die den Blick „aufwecken“: Die ruhige, kontemplative Zone des Verlaufs wird durch Reibung aktiviert.