Ich gehe davon aus, dass die Zeit alleine nichts verändern kann, sie schafft jedoch Gelegenheit zur Veränderung. Wandel entsteht dort, wo wir unser eigenes Archiv öffnen, Bruchstücke neu ordnen und uns selbst hinterfragen.
Meine Arbeiten richten den Blick genau auf diesen Moment der Selbstwerdung: Erinnerung begreife ich nicht als Stillstand, sondern als Material, das unsere Gegenwart formen kann.
Ich arbeite in fragmentierten Bildräumen. Auslassungen, Überlagerungen und präzise gesetzte Schnitte lassen Ideale, Selbstbilder und gelebte Erfahrung ineinander überblenden. So entstehen verdichtete Ausschnitte, die Fragen aufwerfen: Woran halte ich fest? Was ist meiner Geschichte nachträglich hinzugefügt? Welche Version meines Selbst verkörpere ich?
Der Prozess ist autobiografisch grundiert und zugleich methodisch: bruchstückhafte Neuordnung, wiederholtes Verschieben, feinsinnige Nuancierung. Farbe und Struktur bewegen sich zwischen Klarheit und Zartheit. Ruhige Flächen stoßen auf tektonische Brüche. Diese Spannung hält den Schaffensprozess produktiv. Eine bewusste Unterbrechung von Routinen und Prüfung der eigenen Wandelbarkeit.
Meine Bilder verstehen Kunst als lebendiges Archiv: einen Ort, an dem Erinnerungen nicht nostalgisch verklärt werden, sondern Orientierung bieten. Wer sich Zeit nimmt, findet keine Antworten, sondern Handlungsfähigkeit. In diesem Sinn begreife ich jedes Werk als Momentaufnahme eines inneren Umbaus: reduziert, offen, handlungsnah.